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Gesellschaft für interkulturelle Germanistik

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‚Chamisso’-Literatur in Forschung und Lehre: ​„Entdecken, sammeln, beschreiben, systematisieren, kontextualisieren“ (Harald Weinrich)

Dreißig Jahre nach der Einrichtung des Adelbert-von-Chamisso-Preises der Robert Bosch Stiftung rückt die ‚Chamisso’-Literatur nicht zuletzt im Zuge der jüngsten gesellschaftlichen Veränderungen mehr denn je ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses – eine Literatur, die u.a. vor dem Hintergrund eines bei vielen der Autoren und Autorinnen anzutreffenden eigenen Sprach- und Kulturwechsels mit Vorliebe interkulturelle Aspekte thematisiert und kulturelle Differenzen künstlerisch gestaltet. Die ‚Chamisso’-Literatur kann manche Grenzen transzendieren, um andere wieder aufzubauen, sich zwischen kultureller Ent- und Abgrenzung bewegen und gleichzeitig sprach- und kulturübergreifendes wie ‑spezifisches Denken und Handeln thematisieren.

Ungeachtet der Aktualität der Themen und des nicht zuletzt dadurch bestehenden dringenden Bedarfs an einer Etablierung des Forschungsfeldes fehlt es zurzeit noch an einer systematischen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Dieser Forschungsschwerpunkt nimmt sich vor, anknüpfend an die im Juni 2014 vom Internationalen Forschungszentrum Chamisso-Literatur (IFC) an der LMU München organisierte Tagung „Chamisso-Literatur – eine ‚Nomadisierung der Moderne‘?“, zu einer solchen Systematik und zur Schärfung der Ziel- und Begriffsbestimmungen in der Untersuchung der ‚Chamisso’-Literatur beizutragen. Dabei sollen theoretische Überlegungen wie praxisbezogene Anwendungsfelder gleichermaßen Berücksichtigung finden.

Darüber hinaus will der Forschungsschwerpunkt nicht die Augen verschließen vor Problemen, die sich im Hinblick auf ‚Chamisso’-Literatur als Kategorie im breiteren Zusammenhang mit der so bezeichneten „interkulturellen Literatur“ im Allgemeinen stellen. Dazu sollen diskursanalytische Perspektiven, die in einer solchen Praxis der Kategorisierung wirksame institutionelle bzw. kulturpolitische Macht- und Interessensfragen berücksichtigen, ebenso in den Blick genommen werden wie die Möglichkeit oder gar die Notwendigkeit, das Paradigma der Interkulturalität historisch-kritisch und in seinem Verhältnis zur komparatistischen Forschungstradition zu hinterfragen. Erst dann wird der spezifische Beitrag der interkulturellen Literaturwissenschaft und der ‚Chamisso’-Literatur-Forschung zur interkulturellen Verständigung angemessen zu beurteilen sein.

Zu den hier relevanten Themenfeldern gehören:

  •  Relevante Merkmale der ‚Chamisso’-Literatur – Bestandaufnahme bisheriger Forschungsergebnisse und eventuelle Neubewertung.
  • „‚Chamisso’-Identität“ – Kann man von einer solchen sprechen und wenn ja, welche Merkmale trägt sie?
  • Kontextualisierungen – „Denken in Optionen“: Inwieweit verändern interkulturelle Kontexte, in die die Wissenskulturen der Bezugsländer der Autorinnen und Autoren mit einfließen, die Forschungsergebnisse? Welche Auswirkungen hat dies auf Forschung und Lehre?
  • Mehrwert der Chamisso-Literatur für die Curricula – Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Deutsch als Fremdsprache.
  • Beitrag der verschiedenen Veranstaltungsformate des IFC zur sozialen Sensibilisierung und Förderung interkultureller Kompetenzen.
  • Kanonfragen im Spiegel hybrider Identitätsbildung der Autorinnen und Autoren, Rezeptionsformen der Autorinnen und Autoren in ihren Herkunftsländern.
  • Praxis der Kategorisierung von ‚Chamisso’-Literatur, interkultureller Literatur, Migrationsliteratur etc. – Probleme und Kritik.
  • Paradigma der Interkulturalität historisch-kritisch und in seinem Verhältnis zur komparatistischen Forschungstradition: Interkulturalität antiker, mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur, der Literatur um 1800 etc.

Geleitet wird der Forschungsschwerpunkt von  Hebatallah Fathy (Universität Kairo), Daniela Ionescu-Bonanni (Universiät Heidelberg) und Arata Takeda (Freie Universität Berlin).


Verantwortlich für die Redaktion: Gabriele Ziegler

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